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Yiquan
意拳
(chin., Geistfaust) schaffte es,
ausgehend von traditionellen Gongfu Stilen und inspiriert von
westlichen Einflüssen[1], ein Raster der effizientesten
Techniken zu erstellen und dabei, was wirklich bemerkenswert ist,
die Effizienz der verschiedenen Kräfte konsequent als zentrales
Thema hervorzuheben.
Im Yiquan
geht es
ausschliesslich um die Qualität der verschiedenen Kräfte.
Hauptsächlich einmal um die konsequente Arbeit an der inneren Kraft,
um daraus die Gesamtkörperkraft zu entwickeln. Diese Qualität kann auch in jedes andere Lehrsystem[2]
integriert werden.
Modell der Energien & Kräfte >
Graduierungen >
Als Analogie: Wenn ich eine kleine, dazu noch beinahe
leere, Batterie als Energielieferant für Leistungen nutzen möchte,
macht das nicht viel Sinn. Für den gesundheitlichen (Yangsheng),
wie auch den kämpferischen (Jiji) Nutzen wird im Yiquan
zuerst die bestehende Batterie voll geladen und in weiteren
Schritten versucht, diese durch eine oder mehrere grössere Batterien
zu ersetzen beziehungsweise zu ergänzen. Die allerwichtigste
Übungsgruppe ist somit Zhanzhuang
站桩.
Der Schlüssel zur richtigen Qualität liegt nicht in
der rein technischen Umsetzung einer Übung, auch nicht bloss in der
Quantität der physischen Wiederholungen, sondern, bei den
verschiedenen gedanklichen Vorstellungs-Übungen, die mit den
körperlichen Ausführungen einhergehen. Mit der Zeit werden daraus
mehrere Vorstellungen, die gleichzeitig überlagert visualisiert
werden. Nachstehend die Hauptübungsgruppen im Yiquan, die von Yao Zongxun
姚宗勋
massgebend ergänzt und herausgearbeitet wurden.
Video von Yao Zongxun's Gesundheitstanz (Jianwu) >
Die
sieben Übungsgruppen sind kein Modell nach dem man/frau
gezwungenermassen trainieren muss. Vielmehr ist es eine Darstellung
vom Idealzustand, der sich einstellt, sofern man/frau genügend
seriös[3]
trainiert hat und die Zeit für die entsprechende Stufe reif wird.
1. Zhanzhuang
站桩
(Stehen wie ein Pfahl). Verschiedene Positionen, hauptsächlich im
Stehen. Dadurch wird vorerst die Struktur der Haltemuskulatur
gestärkt, danach an der gesamten inneren Kraft gearbeitet.
2. Shili
试力
(Kraft versuchen). Die in der vorhergehenden Übungsgruppe
erarbeitete innere Kraft wird mit den Händen, mit den Armen und mit
Gewichtsverlagerungen in eine limitierte Bewegung gebracht.
3. Mocabu
摩擦步
(Reibender Schritt). Wie bei Zweitens, aber zusätzlich noch mit
Schrittabfolgen, welche zu Beginn vorgegeben und dann frei sind.
4. Shisheng
试声
(Ton versuchen). Auf der Basis einer natürlichen[4]
Atmung wird während eines Lautes die innere und äussere Kontraktion
des Körpers erzeugt. Später wird der hörbare Laut weggelassen.
Integriert in die vorgehenden Übungen, wird die nächste bereits
bemerkbar.
5. Fali
发力
(Austretende Kraft). Alle Übungsgruppen auf den Punkt gebracht.
Natürlich gibt es auch einzelne Übungen, die begünstigend wirken.
Das Ziel ist, Kraft
beliebig, jederzeit und in jegliche Richtung austreten lassen zu
können.
6. Tuishou
推手
(Schiebende, fühlende Hände). In dieser Partnerübung wird der eigene
Wissenstand in limitierter Form überprüft. Dabei wird mit Kontakt an
den Armen oder Händen gegenseitig aufeinander Druck ausgeübt, bis
die eine Seite nicht mehr standhalten kann. Zuerst einarmig im
Stehen, später mit beiden Armen und zum Schluss mit Schritten.
7. Sanshou
散手
(Freie Hände, Freikampf). Das Gleiche wie bei der vorgehenden Übung,
aber jetzt mit Schlägen und Tritten. Vorstufen davon sind zum
Beispiel Wettkämpfe mit Regeln und Schutzausrüstungen, welche die
Möglichkeiten einschränken (Qingda, Sanda, Leitai). Im Endeffekt
gibt es keine Regeln. Einen Schlag, der weh tut, kann man nicht
schönreden.
[1]
Vorwiegend Boxen. Die Entstehung der
Pugilistik in Europa ist nachzulesen in ‚cultura martialis’,
Heft 01, Oktober 2004.
[2]
Zum Beispiel einen anderen Gongfu Stil.
[3]
‚Genügend
seriös’ bezieht sich auf qualitativ richtiges Training im
richtigen Mass. Also wenn zwar viel, aber zum Beispiel nur
in einer Qualität von neili trainiert wird, stellen
sich zhengtili, und natürlich alle weiteren
Kraftstufen nie ein. Und wenn qualitativ richtig trainiert
wird, soll dies im richtigen Masse geschehen, was wiederum
individuell verschieden sein wird. Zuviel und zuwenig sind
dabei gleichermassen nicht förderlich.
[4] ‚Natürlich’ bezieht sich auf
eine physiologisch korrekte Atmungsabfolge. Diese
Natürlichkeit soll in den ersten Trainingsjahren überprüft
und allenfalls erarbeitet werden. |