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Im Yongchunquan/Wing Chun
Chuan
咏春拳 (chin., Singende
Frühlingsfaust) wurde, wie beim Yiquan, ein ähnlicher Versuch unternommen, unnötiger Ballast abzuwerfen.
Womöglich führte die Shaolin-Tradition[1]
mit ihren reichhaltigen Lehrinhalten dahin, dass ein
Straffen der übermässig vielen Formen und Techniken unerlässlich
wurde, um dem eigentlichen
Gehalt von Gongfu in der Kampfkunst wieder das richtige
Gewicht zu geben.
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Yongchunquan/Wing Chun
Chuan ist eine von über 500 verschiedenen Stilarten
des Gongfu. Dank seiner logisch aufgebauten Direktheit dient
Yongchunquan/Wing Chun Chuan zur effizienten Selbstverteidigung. Der Stil
wurde ca. 1760 während der Qing-Dynastie[2] von der Nonne
Ng Mui
五梅 (NING
MUI) im legendären Kloster
Shaolin
少林寺 entwickelt.
Yongchunquan/Wing Chun Chuan galt für die Mönche, die 15
Jahre lang die 'harten' Shaolin-Stile[3]
ausgeübt hatten, als Geheimlehre.
Yongchunquan/Wing Chun Chuan erhöht die Effizienz der Trainierenden durch
den Einbezug folgender, revolutionären Aspekte:
- Gleichzeitigkeit (von Abwehr und
Angriff)
- Ausrichtung auf die Zentrallinie
(Median-Sagittalschnittebene)
- Gefühlsschulung (Reflexübungen)
Im Yongchunquan/Wing Chun Chuan geht es
nicht um die Ausübung von Kraft gegen Kraft (die/der Stärkere gewinnt).
Durch gezielte Übungen lernt man, die gegnerische Kraft zum gleichzeitigen
Konterangriff zu nutzen,
also seine Schwachstellen zu schützen und gleichzeitig die des
Gegners zu treffen. Zudem werden die Reflexe beträchtlich
verbessert. Da alles mehr auf Können und Taktik als auf Kraft
beruht, wird es auch einem körperlich unterlegenen Menschen möglich,
sich gegen einen viel stärkeren erfolgreich zu verteidigen. Dieser
Stil ist daher besonders auch für Frauen und Kinder geeignet.
Video von Yip Man's Xiaoniantou/Siu Lim Tao >
Die acht Hauptübungsgruppen sind ein
Modell, welches die persönliche Entwicklung begünstigt. Die
Erkenntnisse ergeben sich aus den Erfahrungen, welche mittels
Schlagen und Abwehren gemacht werden. Der Schlagabtausch wird nicht
zum Selbstzweck, sondern ist eine Analogie für ein weitgehender
Lernprozess. Dieser findet selbstverständlich immer auf eine Weise
statt, dass man/frau gefordert, aber nicht überfordert ist. Sofern
man/frau genügend seriös[4] trainiert, ist jeder und jedem der Weg
bis nach oben offen.
1. Xiaoniantou/Siu
Lim Tao 小念头
(Kleine Idee). Übungen im Stehen, welche durch ihre Bewegungen die
Grundstruktur festigen. Erste Ideen (Konzepte) von Ausweichen und
gleichzeitigem Kontern. 2.
Xunqiao/Chum
Kiu 寻桥
(Brücke Suchen). Die in der vorhergehenden
Übungsgruppe erarbeiteten Konzepte werden zusätzlich mit
Schritttechniken umgesetzt. 3.
Biaoken/Bju
Tse 标掯
(Fingerstiche). Durch die erarbeitete Stabilität kann nun das
gegensätzliche Konzept des direkten Angriffs umgesetzt werden, also
auch allmählich die innere Kraft auf einen Punkt gebracht werden. 4.
Murenzhuang/Mok
Jan Chong 木人桩
(Holzpuppe). Alle vorhergehenden Konzepte werden zu einer Einheit
und die eigene Widerstandsfähigkeit wird massiv erhöht.
Das Ziel ist, Kraft
beliebig, jederzeit und in jegliche Richtung austreten lassen zu
können. 5.
Liudian-Bangun/Lok
Dim Bun Guan 六点半棍
(Langstock). Durch die weitere Stärkung der Grundstruktur wird jede
Technik bedeutend wirkungsvoller. Der Langstock bildet zudem die
Basis aller Stabwaffen (punktführend). Taktische Überlegungen werden
gezielt trainiert. 6.
Bazhandao/Pa
Cham Dao 八斩刀
(Kurzschwerter). Die Grundstruktur wird bis in die Finger- und
Zehenspitzen optimiert. Die Kurzschwerter bilden zudem die Basis
aller Schneidewaffen (kreisführend). Strategische Überlegungen
werden gezielt begünstigt. 7.
Chishou/Chi
Sao 黐手
(Klebende Hände). In diesen Partner-Übungen wird der eigene
Wissensstand in limitierter Weise überprüft. Dabei wird mit Kontakt
an den Armen und/oder den Beinen gegenseitig Druck ausgeübt, später
kommen Schlag- und Abwehrtechniken dazu.
Zuerst mit einem Arm oder einem Bein im Stehen, später mit beiden
Armen oder beiden Beinen und zum Schluss mit Schritten.
8. Sanshou
散手
(Freie Hände, Freikampf). Das Gleiche wie bei der vorgehenden Übung,
aber nun steht nicht das Üben, sondern der 'echte' Kampf im
Vordergrund. Vorstufen davon sind zum
Beispiel Wettkämpfe mit Regeln und Schutzausrüstungen, welche die
Möglichkeiten einschränken (Qingda, Sanda, Leitai). Im Endeffekt
gibt es keine Regeln. Einen Schlag, der weh tut, kann man nicht
schönreden.
[1] Das ist eine
Anspielung auf die Gongfu Stile, welche aus dieser Tradition
entstanden sind und zum Teil über jahrhunderte immer mehr Formen,
Bewegungen und Techniken anhäuften.
Heute
wird oft nur noch starr auf eine lange Tradition verwiesen und zu
ihrer Erhaltung, krampfhaft an vorgegebenen Abläufen festgehalten.
[2]
1644-1911, auch Mandschu. 1768 wurde das Shaolin Kloster
abermals zerstört (Legende der fünf Ältesten, die als einzige
überlebten). Danach folgten Aufstände, die Opiumkriege und der Niedergang des
Kaiserreichs. Die Geschichte der Stilbegründerin Ng Mui ist
nicht historisch gesichert und gilt als Legende.
[3] Nachfolgend einige
‚Shaolin-Stile':
Black Crane, Choy Li Fut, Cobra, Crab, Dragon, Drunken, Five
Immortals, Hung Gar, Leopard, Lohan, Northern Praying Mantis,
Python, Snake, Southern Praying Mantis, Springing Leg, Tiger, White
Crane, White Eyebrow und Wing Chun; wobei letzteres hauptsächlich
eine Synthese aus Snake und White Crane ist.
[4]
‚Genügend seriös’
bezieht sich auf qualitativ richtiges Training im richtigen Mass.
Also wenn zwar viel, aber zum Beispiel nur in einer Qualität von
neili trainiert wird, stellen sich zhengtili, und
natürlich alle weiteren Kraftstufen nie ein. Und wenn qualitativ
richtig trainiert wird, soll dies im richtigen Masse geschehen, was
wiederum individuell verschieden sein wird. Zuviel und zuwenig sind
dabei gleichermassen nicht förderlich. |